Digitales Verkehrskonzept

Gemeinderatssitzung am 20.03.2018 (Teil 2)

geschrieben von Eckhard Schönknecht am 8th Apr 2018

Teil 2 zur Gemeinderatssitzung vom 20.03.2018

Das digitale Verkehrskonzept interessiert uns

3 Säulen wurden auf der Gemeinderatssitzung und der Vorstellung des Verkehrskonzepts für die Nationalparkregion als zentrale Bausteine identifiziert. Die Stärkung des ÖPNV, die Parkraumbewirtschaftung sowie die "digitale Begleitung" insgesamt. Diese wollen wir hier etwas näher betrachten. Zitat aus dem Zeitungsartikel im Schwarzwälder Boten »: "Als dritten Schritt sprach Valentin Gauß, Projektleiter für das Nationalpark-Verkehrs­konzept im Verkehrs­ministerium von einem digitalen Verkehrs­konzept, nicht in Form einer App, sondern durch den Aufbau einer Mobilitäts­daten­platt­form". Was kann das bedeuten?

Eine App ist teuer

Zunächst wurde erklärt, warum nicht, wie heute üblich(?), eine App entwickelt wird. "Eine App kostet 250 000 EUR. und dann braucht es nochmal soviel für das Marketing, damit das Ganze nicht im Wust all der anderen Apps untergeht. Jährlich!". Das geht also nicht. Das Konzept sieht also vermutlich eine Art zentrales Datenmanagement oder Datenerfassungssystem vor, aus dem sich dann (Dienste-) Anbieter (und andere?) bedienen können. Beispielsweise in der Form eines Widget ».

Datenmanagement

Versuchen wir uns an der Konstruktion eines Beispiels: Stellen Sie sich vor Sie sind in Karlsruhe und wollen Sonntags einen Ausflug in den Nationalpark machen. Also informieren Sie sich üblicherweise am frühen Morgen im Internet, beispielsweise auf der Internetseite des Nationalparks ». Hier kommt nun das o.a. Widget in`s Spiel. Das Silbenkurzwort Widget setzt sich aus Wi(ndow) und (Ga)dget ("[technische] Spielerei") zusammen. Ein Teilbereich (oder Minifester?) auf der Nationalparkseite (oder den Seiten anderer Anbieter, welche auf den Datenpool der o.a. Daten­management­platt­form Zugriff haben) wird Sie dann vermutlich (mit einer roten Ampel?) warnen, wenn keine oder nur noch wenige Parkplätze zur Verfügung stehen. Und als vernunftbegabtes menschliches Wesen » werden Sie dann entweder Ihren Ausflug canceln, umplanen oder auf den ÖPNV ausweichen. Soweit die Theorie.

Das wollen wir doch mal sehen

Man könnte hier vermutlich wieder Einwände in der Art wie bei den Lärm­schutz­displays oder dem Blitzer in Schwarzen­berg bringen. Kurz gesagt, wenn unten im Tal das Display anzeigt, dass es keine Parkplätze mehr oben am Gipfel gibt, so wird man natürlich nicht extra hochfahren um zu sehen, ob das auch stimmt oder ob (ganz sicher) jemand anders gerade in diesen Minuten weg­gefahren ist um Ihnen Ihren(!) Parkplatz(!!) freizumachen(!!!). Früher hat man auf Autobahnen von einer "eingebauten Vorfahrt" für manche (Oberklasse-) Modelle gesprochen. Vielleicht ist das dann der Stoff für zukünftige Studien, ob es auch hier eine Korrelation » zwischen (Premium-) Automarken, agressiver Park­platz­suche (bei absichtsvoll reduzierten Angebot) und der bewussten Vermeidung des ÖPNV geben wird. Wenn man von unserer schon früher geäusserten Prämisse ausgeht, dass Tages­touristen praktisch unter Zwang stehen, möglichst viel in einen Tag oder Ausflug zu packen, dann ist die zeitlich verlängerte An- und Rückreise per ÖPNV ganz sicher keine Option. Und vermutlich auch dann nicht, wenn es kurz vor dem Ziel nur noch um eine aller­letzte Teil­strecke geht.

Sind Autofahrer Menschen?

"Der Autofahrer ist kein Mensch. Er wird erst wieder zum Menschen, wenn er aus dem Auto steigt." Das Zitat stammt aus einem aktuellen Interview im SPIEGEL (Ausgabe 10/2018 vom 03.03.2018) mit Hermann Knoflacher. Er (Jahrgang 1940) wurde er in den Siebzigerjahren bekannt, als er bereits damals in Wien gegen den "MIV" mit attraktiven ÖPNV Angeboten kämpfte (seiner Zeit weit voraus). Er gilt als schärfster Kritiker von Autos und attestiert "den Deutschen insbesonders" ein extremes (= gestörtes) Verhältnis zum Auto. Man könnte also vermuten, dass der immer weitergehende Einbau und die Vewendung von Technik in Fahrzeugen auch hier einen "Einfluss auf den Menschen" haben wird. So oder so bleibt abzuwarten.

Alles hängt mit allem zusammen

Man muss die o.a. Einschätzung nun nicht teilen, aber in der Gemeinde­rats­sitzung wurde auch dieser Satz gesagt: "Alles hängt mit allem zusammen". Die einfache Forderung nach der Schaffung von ausreichendem Parkraum (kostenpflichtig oder nicht) ist nicht möglich. In der Sitzung kommentierte Wolfgang Schlund, einer der beiden National­park­leiter diese Forderung wie folgt: "Es gibt wirklich Tage, wo alles zusammenbricht. Aber die Schaffung von ausreichend Parkraum für solche Tage würde bedeuten, dass beispielsweise in einem Parkhaus viele Plätze fast ganzjährig unbenutzt blieben". Und somit sind wir wieder bei der Kombination (oder Korrelation) von technischer Intelligenz versus dem Sozialverhalten (Intelligenz?) von Menschen, also Anwohnern, Tagestouristen, Urlaubern u.v.a. angelangt. Etwas weiter gezogen könnte man auch die Frage stellen, ob die Schaffung von "touristischen Magneten im Stil enes Öko-Europaparks" (Michael Ruoss, CDU, am 23.01.2018), welche praktisch immer eine Lenkung von Besucherströmen bedingen, am Ende nicht oftmals (immer?) mit Ihren eigenen, unsprünglichen Zielen kollidieren. Zitat∗): "Vorrangiges Ziel des Nationalpark Schwarzwald beinhaltet dessen Motto Natur Natur sein lassen, [..]". Man darf gespannt sein, wie sich alles weiter­ent­wickelt.

(Quelle∗): http://www.schwarzwald-nationalpark.de/nationalpark/aufgaben-ziele/ »).

Hier geht es direkt zu Teil 1 des Berichts von der Gemeinderatssitzung vom 20.03.2018.