SWR Dokumentation vom 28.03.2018

Projekt Nationalpark: Welche Natur wollen wir haben?

geschrieben von Gabriele Rotter am 30th Mar 2018

SWR Dokumentation (28.03.2018 90 Min)

in der Mediatek verfügbar bis zum 27.03.2019

Absolut sehenswert

Der Film stellt Fragen und sucht nach Antworten. Es geht um den Umgang mit der Natur überhaupt. Die im Film gestellte Kernfrage lautet:

"Lassen sich die Anforderungen eines Großschutzgebiets mit den Bedürfnissen und Interessen der Menschen vor Ort in Einklang bringen?"

Wie so oft sind es wirtschaftliche Interessen, die den Interessen des Naturschutzes entgegenstehen. Als Beispiel mag hier die Zweiteilung des Nationalparks rein räumlich dienen, da für das Gebiet, welches sich wie eine Speerspitze zwischen beide Nationalparkteile schiebt, der wirtschaftliche Ertrag aus der Holzwirtschaft sozusagen als Kernziel in einer Genossenschaft festgeschrieben ist. Ein gutes Beispiel sind auch negative Auswüchse des Tourismus, welche 24 Stunden Läufe mitten im Schutzgebiet veranstalten und die dortigen "Bewohner", also die Wildtiere, um Ruhe und Schutz bringen. Dass es auch anders geht, zeigt eine auf Privatinitiative zurückgehende Unternehmung im Südschwarzwald, die im Film ebenfalls vorgestellt wird.

Aktuell in 2018 werden entscheidende Weichen des Nationalparks gestellt, denn bis zum Jahresende muss der Nationalparkplan mit seinen Modulen fertiggestellt werden. Aktuell werden auch immer noch direkt mitten im Kerngebiet des Nationalparks Bäume gefällt und Tiere getötet. Auch Umweltminister Franz Untersteller sieht die Glaubwürdigkeit des Nationalparks zumindest in Gefahr und denkt auch über eine Zusammenlegung der Gebiete des zweigeteilten Nationalparks nach. Allerdings nicht in dieser Legis­latur­periode.

Der Film ist absolut sehenswert und zwar nicht nur, weil immer beide Seiten zu Wort kommen und das Wort Kompromiss recht häufig fällt. Es geht immer auch um grundlegende Kernfragen und hier gibt es den direkten Bezug zum Silber­berg und den dortigen Plänen für eine Wanderhütte. Die heutige "Eventkultur" kennt im Grunde genommen nur noch eine einzige Richtung die da heisst mehr mehr mehr. Die Natur verkommt zur Hintergrundscenerie für die "Generation Selfie", sprich die Menschen möchten bei einem Kurzbesuch oder Kurzurlaub möglichst viel erleben und das Ganze dann auch noch mit nach Hause nehmen und vor allem auch mit dem Privat-Pkw direkt erreichen. Dass Tiere besonders auch im Winter Ruhe ganz einfach zum Überleben benötigen, spielt gegenüber dem Individualinteresse an der besten Loipe oder der besten "Location" für Bilder, möglichst abseits der gängigen Pfade, keine Rolle mehr. Um um das Ganze abzurunden, braucht es die nahe Gastronomie, am besten mittendrin im Landschaftsschutzgebiet.

Bitte unbedingt ansehen

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