Gemeinderatssitzung am 20.03.2018

TOP 2: Vorstellung des Verkehrskonzepts in der Nationalparkregion.

geschrieben von Eckhard Schoenknecht am 6th Apr 2018

Guten Tag

Das Verkehrskonzept interessiert uns

am 20.3.2018 haben wir die Gemeinderatssitzung in Baiersbronn im Rosensaal besucht. Unser Interesse galt der Vorstellung des Verkehrskonzept für die Nationalparkregion. Wer unsere alte Website » kennt, weiss, daß wir schon einmal eine wagemutige Analogie gezogen haben, nämlich die, dass die Gemeinde Baiersbronn in Bezug auf den Nationalpark ähnliche Probleme hat, wie wir am Silberberg mit der "Wanderhütte". Grob gesagt, viel Verkehr und wenig Wertschöpfung ». Wir wollten also sehen, was da vorgestellt wird und ob es auch hier die von uns seinerzeit beklagten "Worthülsen ohne Bedeutung" gibt: "Ein Segen für das Dorf" oder ähnliches. Am Ende war es aber vor allem eins: sehr interessant. Und deshalb hier wie immer der obligatorische Hinweis auch bitte andere und vor allem Orginalquellen zu lesen und zu beachten:

Originalquellen

01) Top 2 der Gemeinderatsitzung war eine Vorstellung ohne jegliche Beschlüsse. Auf den Seiten der Gemeinde Baiersbronn gibt es wie immer direkt unterhalb der Tagesordnung auch die entsprechenden Protolle zu lesen. Hier geht es zur Übersicht » und hier können Sie das Protokoll zu TOP 2 dem Verkehrskonzept direkt bei uns einsehen oder herunterladen ».

02) Auch die Presse war anwesend, hier geht es zum entsprechenden Zeitungsartikel im Schwarzwaelder-Boten », welcher am Folgetag, dem 21.03.2018, erschien.

03) Sinnvoll ist auch die folgende Hintergrundinformation. Bis Ende 2018 muss es einen Nationalparkplan geben. Aktuell ist der Nationalpark im fünften Jahr seines Bestehens und es gibt für den Plan sogenannte Module. Verkehr und Tourismus sind 2 Module und hier geht es zu einem weiteren Artikel im Schwarzwälder Boten vom 15.02.2018, der das Ganze recht gut zusammenfasst:

wie geht es weiter im Nationalpark? »

04) Als noch nicht beschlossenes Modul wird hier das Verkehrskonzept als Steckbrief » mitsamt der "Geschichte des Moduls" in einer pdf-Datei vorgestellt.

05) Und ganz generell bemüht sich der Nationalpark um den Bürgerdialog, es gibt hierzu sogar eine eigene Website mit dem Namen schwarzwald-nationalpark-im-dialog.de »

Verkehrskonzept der größeren Art

Der wesentliche Unterschied zur Situation am Silberberg ist die schiere Größe des Ganzen. Es geht um 3 Landkreise und 18 Gemeinden und somit wird auch richtig Geld in die Hand genommen. Das geht von Experten und Ihrer Zeit, über die "Tour" in Sachen Vorstellung (Baiersbronn hier an erster Stelle), bis hin zu den allerhöchsten Ebenen, welche in Bezug auf einen gewissen "Dissenz" (BM-Ruf) eingeschaltet werden müssen. Man kann schlecht von "mehr Mut zum ÖPNV überall" sprechen und dann an zentralen Stellen bestehende Strukturen (Schiene/S-Bahn) schleifen. Das müsse selbstverständlich noch geklärt werden. In der Sitzung selbst ging es weiter mit tollen (und teilweise neuen) Worten wie "Digitalkonzept, MIV, Widget, LEADER" und vor allem der heute anscheinend immer und überall notwendige "Claim", sprich der Spruch zum Thema. "Unser" Claim lautet so: "Natur. Bewusst. Mobil."

Zum Entwurf Verkehrskonzept Nationalpark mit Kommentaren aus der Bürgerbeteiligung »

Die Frage ob der aus Stuttgart mit dem dicken SUV anreisende Naturliebhaber und Tagestourist aufgrund dieses subtilen Hinweis ("Bewusst.") dann auf den ÖPNV wechselt, bleibt geschmeidig ungeklärt und ungeklärt sind im Grunde genommen auch noch ein paar andere Dinge.

Push und Pull

Das ist nun nicht frei erfunden, es wurde definitiv in der Sitzung so gesagt, es geht um ein Push und Pull Konzept. Man kann den ÖPNV u.a. dadurch stärken (Pull) indem man es dem MIV (also dem Massen-Individual-Verkehr) etwas schwerer macht (Push). Vielleicht ist das mit dem Ziehen und Schieben auch umgekehrt gemeint. Hier kommt nun auf jeden Fall auch die sogenannte Park­raum­bewirt­schaftung in`s Spiel. Weg mit der Unsitte des kostenlosen Parkens überall. Bundesweit ist der ÖPNV aktuell eher im Rückgang gegenüber dem MIV (trotz Plaketten, Stau und Dieselproblemen sowie zunehmender Agressivität überall) und in der Nationalparkregion (mit aktuell ca. 3% Anteil ÖPNV) ist es Konsens (oder Wunschdenken?) diesen Trend umzudrehen. Eine Steigerung des ÖPNV Anteils auf ca. 20% bis 2025 (oder 2030?) ist eine Zielmarke. Leider liegt diese so weit in der Zukunft, dass bei Nicht­erreichen selbstverfreilich wieder andere und neue Umstände schuld am Verfehlen der Zielmarke sind. Fassen wir also in einem ersten Zwischenüberblick das Ganze zusammen:

3 zentrale Massnahmen

Aktuell gibt es anscheinend ca. 50-60 (Dienst­leister-, Experten- und Gutachter­getriebene) Einzel­maßnahmen bzw. Vorschläge, welche bis zur Sitzung des Nationalparkrats (im Mai 2018?), welcher das Konzept als Solches abnehmen muss, ersteinmal noch nicht im Detail vorgestellt werden. 3 zentrale Bestand­teile davon sind:

  • Ausbau und Stärkung des ÖPNV
  • Parkraumbewirtschaftung
  • begleitendes Digitalkonzept

Auf der Sitzung wurde auch klar angesprochen, dass hier jeweils immer ein Rädchen in`s andere greifen muss um Erfolge zu erzielen. Das gilt auch im Bereich der Zusammenarbeit zwischen dem Land, Kreisen und Kommunen. Kostenneutral für die Kommunen wird das niemals sein, aber zumindest in 2018 werden keine Kosten auf Baiersbronn zukommen. Wie es dann weiter geht, ist aktuell offen. Ebenso gibt es ja heute in fast jedem Konzept immer 3 gut bekannte, allerdings einschränkende Worte: Vorbehaltlich einer Finanzierung.

Wenn dieser Punkt als unbekannte aber lösbare Größe angesehen wird ("das Land nimmt Gelder in die Hand"), gibt es jedoch noch andere Bereiche, die man nicht unterschätzen sollte. Im Grunde genommen geht es immer um das Austarieren von technischen Lösungen und sozialer Akzeptanz. Die (ca. 80%) Parkraumbewirtschaftung bedarf einer Kontrolle. Diese kann nun aufgrund von Investitionen durch Technik erfolgen (Ticketautomaten, Absperrung und vielleicht Videoüberwachung) oder eben durch soziale Kontrolle mit dem entsprechenden Personal und der dazu gehörenden Zeit. Vermutlich ist die Technik effektiver und günstiger und wird sich durchsetzen. Es bleibt die Frage, was dann an den noch verbleibenden 20% freier Parkfläche an Verdichtung passiert. Die Position von Gemeinderat Karlheinz Nestle (FWV), dass "Gebühren und Kontrollen alleine keine sinnvolle Konzeption ergeben" ist vermutlich berechtigt, kann aber immer locker gekontert werden, da so ein Grosskonzept mit aktuell ca. 60 Stellschrauben praktisch zwangsläufig auch noch andere Ansätze mitbringt. Und deshalb erlauben wir uns an dieser Stelle einen kleinen Abstecher in die Nachbargemeinde.

Schwarzenberg

Neuerdings steht in Schwarzenberg ein stationärer Blitzer, der ganz sicher nicht billig war. Ziel ist es u.a. durch Tempo 30 für Ruhe vor dem Hotel Sackmann zu sorgen. Allerdings (so hört man) klappt das nur bedingt. Wenn ein LKW, der früher geschmeidig des Nachts mit knapp 60 km/h durch Schwarzenberg hindurchgerauscht wäre, nun ab dem Ortsschild die Motorbremse betätigt, so ist das nicht ganz leise. Und wenn dann noch andere Individualisten, welche den Blitzer vielleicht persönlich nehmen, sich die Freiheit erlauben, zwar mit 30 km/h im Bereich des Blitzers entlang zu fahren, dafür aber vielleicht mal kurz die Hupe drücken oder die Umwelt durch wunderbare Musik aus dicken Boxen des Nachts beglücken, dann ist vermutlich irgendetwas schiefgegangen. Die Frage ist nun einfach die, ob man das unter "PP" ("persönliches Pech") verbuchen muss, oder ob man dies in den heutigen Zeiten eher hätte vorhersehen können oder gar müssen. Und damit sind wir wieder beim Thema von Technik, Kontrolle und sozialer Akzeptanz. Sinnvoll, notwendig, ausreichend, nachhaltig, ausreichend überwacht, sonst noch was? Irgendwie wird es kommen, dann muss man sehen wie es läuft, und dann werden die Dinge geschmeidig weiterentwickelt. Überraschungen sind jedenfalls immer möglich.

Lärmpegelanzeigen

Eine weitere technische Komponente. Ohne monetäre Konsequenzen wie beim Blitzer. Angedacht sind nach dem Vorbild der Geschwindig­keits­anzeigen auch neue Lärmpegel Mess- und Anzeigestationen, kurz Lärmdisplays. Die Kosten liegen im 5-stelligen Bereich für eine Installation und könnten besonders für Motorradfahrer attraktiv sein bzw. eine gewisse Versuchung darstellen. Mit Helmkamera vor der Anzeige mal eben schnell den Gasgriff voll aufgerissen, das erinnert irgendwie an Jahrmärkte vergangener Zeiten mit einem "Haut den Lukas" Angebot. Wer schafft mehr und Youtube wartet. Wie heisst es doch in dieser Werbung für besonders gute Sommerreifen? "Power is nothing without control". Man wird sehen.

PS.: Wer das oben gesagt für übertrieben hält, sollte einmal bei google den folgenden Suchbegriff ausprobieren: youtube herrenalb loffenau ». Es gibt dann um die 40 000 Treffen und manche Videos tragen ähnliche Titel wie dieses:

From Loffenau to Bad Herrenalb in 3 minutes »

Das Ganze ist hochgradig gefährlich und kriminell und wird dann in den Kommentaren darunter wie folgt bewertet: "coole Sache, yeah, der Schwarzwald, das geht noch schneller".

Passend dazu ein aktueller Bericht aus dem Schwarzwälder Boten: Motorradunfälle erreichen Spitzenwert ».

Fortsetzung folgt

Bitte lesen Sie anschliessend auch Teil 2 dieses Berichts, es geht darin dann um das Digitalkonzept u.a. Hier geht`s lang